Mp3s und Blu-ray – Eine seltsame Entwicklung

Was haben wir uns damals gefreut, als die ersten CDs auf den Markt kamen. Die rauschenden Kasetten und knackenden Platten waren abgelöst. Ein glasklarer, digitaler Sound wabberte aus der Anlage. Doch irgendetwas ist passiert und ich kann es nicht ganz nachvollziehen.

Schuld an der Entwicklung ist die Mp3. Eines Tages war sie da und immer mehr Leute freuten sich über den neu gewonnenen Platz auf ihren Datenträgern. Musikstücke, die vorher 40 MB groß waren, nehmen nun eine Größe von 4MB ein. Eigentlich ist nichts dagegen zu sagen. Bei den meisten Mp3s hört man (angeblich) auch keinen Unterschied. Doch ich frage mich: Wie sieht das in 20 Jahren aus.

Öfters bekommt man eine Audio-CD von Freunden geschenkt mit den Worten: „Hier, das ist der ultimative Sommermix!“ oder „Hör mal rein, unsere Band hat das am Wochenende aufgenommen.“ Nun zieht man sich die Songs rüber und komprimiert sie dabei (ich mache dies immer mit 320KB). Man freut sich, denn man hat Platz gespart und ein Unterschied ist ja (angeblich) sowieso nicht zu hören. Was man nicht weiss: Die CD wurde aus Mp3s zusammengestellt. Die Songs waren also schon komprimiert und wurden dann von mir nochmals gestaucht. Selten bekomme ich Audiodateien als Daten-CD. Wenn man in die Zukunft blickt und dabei nicht vergisst, das auch CDs (anders als beworben) nach ungefähr 20 Jahren ihren digitalen Geist aufgeben, kann eigentlich nicht mehr, als um die Qualität der Musik bangen. Denn dann entstehen folgende Dialoge: „Oh nein, meine Rage Against The Machine – CD läuft nicht mehr“ „Kein Problem, habe ich hier auf meiner Festplatte. Allerdings nur mit 128KB.“ Da Musikbörsen wie iTunes und Co. einen enormen Wachstum an den Tag legen und auch hier „verlustbehaftete“ Musik anbieten, ist für mich die Frage, ob es bald noch eine Version von „Smells like Teen Spirit“ gibt, die größer als 4 MB ist.

Umgekehrt verläuft da die Entwicklung im Bereich Video. Nachdem aus dem Kampf um die Vorherrschaft am HD-Markt das Format Blu-Ray als Sieger hervorging, löst es nach und nach die DVDs ab. Allerdings empfinde ich die Qualität einer DVD immer noch als sehr gut. Selbst ein gut komprimiertes DivX-Video kann ich mir ohne Probleme ansehen. Noch brauche ich also nicht umzusteigen. Interessanterweise wird aber auch bei der Blu-Ray die Audiospur meist in komprimierter Form abgespielt. Werden wir zunehmend visueller? Verliert sich durch das ständige Hören von Mp3s die Fähigkeit Qualität zu erkennen?

Ist es uns wirklich egal, wenn klassische Musik durch unser Mp3-Programm normalisiert wird und damit jegliche Dynamik verliert? Ich betrachte diese Entwicklung mit größter Sorge. Wenn ich Audiodateien schon quetschen muss, dann mit höchstmöglicher Kompressionsrate und ohne zu normalisieren. Denn das nimmt dem jeweiligen Song die Kraft und die gewollte Dynamik. Dafür nehme ich es gerne in Kauf öfters mal zum Lautstärkeregler greifen zu müssen. Denn jeder Song ist unterschiedlich. Und: Viele Produzenten machen sich die Eigenschaften der Psychoakustik zunutze, um Platten zu mixen. Genau diese Psychoakustik nutzt auch der Mp3-Codec. Bleibt zu hoffen, daß viele die Qualität von Musik wieder zu schätzen wissen. Das wird leider immer schwieriger in einem Land, in dem die Hitparaden durch Klingeltoncharts abgelöst und kaum noch CDs verkauft werden.

Merke: Eine akribisch sortierte iTunes-Library ist kein Garant für gute Musik.

Published in: on Juni 10, 2008 at Dienstag, Juni 10, 2008  Comments (17)  
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17 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Interessanter Beitrag. Aber ein gut komprimiertes DivX-Video, kommt jawohl bei weiten nicht an die Qualität einer Blu-ray ran.

    Wenn man den Vergleich nicht gerade auf einem 19 Zoll Monitor zieht und dabei 2m entfernt sitzt. Sondern auf einem guten 42 Zoll Fernseher ist der Unterschied riesig und es macht einfach mehr Spaß einen Film in super Qualität zu gucken, stat jeden Pixel einzeln zu sehen.

  2. […] halten Kritiker dagegen, daß bei der Blu-ray ja nur der Video-Anteil hochauflösend und der Ton komprimiert auf die Scheibe gebrannt wird, wie bei dem weitverbreiteten MP3-Format werden sich daran aber wohl nur wenige […]

  3. Aloa,

    ich gebe dir in vielerlei Hinsicht recht. Doch warum encodierst Du Deine Musik als Mp3 (320), wenns Lossless viel besser geht und dort auch nicht mehr der ca. doppelt so große Festplattenplatz eine Rolle spielt. Das sollte dir es schon Wert sein, wenn du so einen Qualitätsverlust kritisierst.

    Wo ich dich jedoch korrigieren muss:
    Das normalisieren von Tracks beeinflusst die Dynamik einer CD in keinster Weise. Man kann das auslesen und abspielen des Replaygains von Liedern nach wunsch ein- und ausschalten. Es handelt sich hierbei nur um einen Tag, der einem mitteilt, wieviel leiser, bzw. lauter das Lied abgespielt werden muss. Du tust das selbe, wenn du die Anlage leiser oder lauter drehst.

    Eine Band, die ihre Musik erst als MP3 kodiert und dann als CD weitergibt ist selbst schuld😉

  4. Ich muss Schimpi zustimmen. „Normalisierung“ hat mit Dynamik nichts zu tun, jedoch (Über-)Kompression, welche im Masteringverfahren leider zu oft angewendet wird. Es hat sich hier die Untugend „je lauter desto besser“ eingeschlichen.

    Das ist aber ein Bereich, den du durch enkodieren in MP3 nicht ausklammern kannst, weil du ja ein fertig gemastertes Produkt hast. Da hast du keinen Einfluss mehr auf die Dynamik.

  5. hier mal ganz interessant zu sehen

    ps:guter artikel :)))
    vor allem das mit , die cd wurde ja schon aus mp3 gemixt und dann rippe ich sie mir nochmal lol

  6. MP3s sind manchmal schon ganz praktisch, vor allem dann wenn man wirklich nur einen einzigen Titel sucht. Praktisch ist es auch, das man bei iTunes auch Alben kriegt, die man in Deutschland weder im Geschäft oder im Internet findet.

    Ich muss allerdings gestehen, dass ich CDs bevorzuge. Natürlich nimmt das ab einer gewissen Sammlung viel Platz weg, aber ich hab den Silberling lieber in der Hand.

  7. Außerdem fehlt bei der Digitalen Musiksammlung das haptische Erlebnis, d.h. das Gefühl die CD/Platte in der Hand zu halten, während des Hörens das Booklet zu lesen, das Artwork zu betrachten.
    Außerdem wird das Musikerlebnis inflationär, es ist kein „Event“ mehr ein Album zu hören, weil es zu einfach geworden ist die Musik zu bekommen, die man hören will.
    Man hört sich auch keine unbequemen Songs mehr auf dem Album an, der Skip-Knopf ist zu verführerisch, deshalb verpasst man immer öfter auch die „guten“ Stellen in einem unbequemen Song.

    Ergo: wenn ich im Hintergrund Musik hören will, ist die digitale Version einfach unerreicht praktisch.
    Will ich aber Musik „erleben“ mit allen Sinnen kommt man um Platte/CD und „Sich-Zeit-Nehmen“ nicht herum.

    • Zitat Said: Will ich aber Musik “erleben” mit allen Sinnen kommt man um Platte/CD und “Sich-Zeit-Nehmen” nicht herum.

      Wer Musik mit allen Sinnen erleben möchte, sollte dies „in Echtzeit“ tun – im Konzertsaal, im Jazzclub, in der Konzerthalle, der Kneipe mit Live-Band, einer Kirche oder unter freiem Himmel…wo immer auch Musiker auftreten mögen.

    • Das ist genauso viel oder wenig inflationär wie das Schauen eines Film am TV oder mittlerweile OnDemand am PC. Die Zeiten, als man sich fürs Kino der sogar fürs gemeinsame Schauen eines wirklich guten Films vor dem TV traf und das ein Event war, sind lange vorbei. Heute schaue ich mir die meisten Filme im schnellen Vorlauf an, weil es meist auf die Dialoge nicht mehr ankommt.🙂

      Ich habe meine „echten“ Musik-CDs seit sicher 5 Jahren nicht mehr in der Hand gehabt. Wozu auch, wenn ich tausend MP3s auf meinem Rechner habe. Ich höre aber eh Musik nur auf Billigboxen am PC.🙂

      Dafür bin ich videomäßig auf BluRay gewechselt, und da liegen wirklich Welten zwischen HD und normalen Filmen. In Avatar wird man förmlich hineingesogen.

      Wenn ich endlich mal wieder Geld verdiene – vielleicht ist es nächsten Monat schon so weit – werde ich mir aber wieder eine Musikanlage bzw. gute Boxen leisten, und dann schauma mal.

      Das Blättern in Booklets war für mich nie eine Sache, ich mache lieber die Augen zu und genieße.

  8. Na ja. Die CD relativiert/eliminiert sich für mich als optimales (Klang-)Erlebnismedium allein schon dadurch, das sie auf 44,1 khz und 16 bit limitiert ist.

    Ich kann verlustfreie (und sogar verlustbehaftete) Dateiformate weit über diese Samplerate und Auflösung hören und dabei ein wesentlich (!) besseres Hörerlebnis erreichen. Natürlich spielt die Hardware hierbei eine maßgebliche Rolle (Verstärker, Lautsprecher, Raum etc.).

  9. gibt ohnehin kaum einen bereich wo soviel esoterischer mist verzapft wird wie im HiFi-Bereich. Da hören leute die Legierungszusammensetzung des Kabels raus, erklären einem, dass analoge signalübertragung (von einer CD/DVD) „hochwertiger“ ist als eine digitale, dass man glasfaserkabel nur gerade verlegen darf und man geschirmte glasfaserkabel verwenden soll (wegen der einstreuungen), usw. Alles schon erlebt.
    Klar, wenn ich 3000 EUR für einen CD-player ausgebe und nochmal 500 EUR für Cu-Drähte, DANN höre ich da auch einen unterschied – zumindest solange ich weis welche die vergoldete anlage ist… so ähnlich verhällt es sich eben auch für diverse codecs^^

  10. Said, da hast du sicher Recht. Aber spiele zwei Dateien für mich ab und lasse mich nicht wissen, welche davon die MP3 und welche die verlustfreie (24bit, 48khz) ist, und ich höre das locker raus.

    Natürlich auf einem einigermaßen anspruchsvollen System, welches aber nicht High-End sein muss. Ich will wirklich nicht auf die Tonne hauen, aber ein halbwegs geschultes Ohr hört das raus.

  11. Die Sorgen teile ich alle nicht, es hat ja jeder selbst in der Hand, wie er seine Musik-Sammlung aufbaut. Jeder der mag kann ja nur MP3s in der Qualität lagern/sammeln, die für ihn akzeptabel ist. Was andere machen ist dann sowieso irrelevant. Die qualitativ guten Files hat man dann doch schon.
    Wer richtig „irre“ ist mit Audio Qualität, der nimmt sowieso kein MP3 (wieso tun bei 50+ Audioformaten immer alle so, als sei MP3 und digitales Audio einerlei?), sondern greift zu verlustfreien Containern wie FLAC. Das speichert alle Files im Original (so wie man bei ZIP beim Entpacken wieder sein unverändertes/verlustfreies Original bekommt). So hat man auch in einer fernen Zukunft garantiert nur das beste archiviert.
    Wem es mit Musik ernst ist, dem ist sowieso von CDs abzuraten, man sammelt diese Musik dann ausschließlich auf Festplatten und erstellt davon Backups auf weiteren. So kann man keinen Datenverlust haben selbst wenn ein Laufwerk den Geist aufgibt und muss lediglich alle paar Jahre die Musiksammlung auf neue Datenträger kopieren, die dann soviel größer sind als die alten, dass man nie in Probleme gerät.
    Sinnvoll geht es sowieso nicht anders, weil man nur so alle seine Songs gleichzeitig vor Augen hat, erst noch verschiedene CDs einlegen zu müssen, ist einfach Chaos und frustrierend. Außerdem beraubt man sich anders der Möglichkeit, im Laufe der Zeit immer weiter an der Sammlung zu feilen, meinetwegen in Form von Tags und folder.jpgs.
    Bei gegenwärtigen Größen von 1500 GB pro Datenträger, dürfte selbst der audiophilste MP3-Freak kaum an Grenzen stoßen.

  12. Nun, wer über die schlechte Qualität von MP3 meckert soll sich mal auf einen Doppelblindtest einlassen. Da ist schon so mancher ‚auf die Welt gekommen‘.

    Aber lassen wir das Thema – da gibt’s ja Leute die kaufen Platten, die ab digitalen Bändern gemastert wurden (woher auch sonst) und glauben an einen besseren Klang etc. etc.

    Was das mehrmalige Komprimieren angeht: Das Problem gibt sich sofort, wenn man den Umweg über die CD nicht mehr geht. Ich wüsste nicht, warum ich Musik als CD weitergeben sollte (allenfalls an Leute, die mit Computern auf Kriegsfuss stehen).

    Früher hatte ich auch noch das Gefühl, die CD haben zu müssen und hab mir die MP3s oder AACs dann selbst gerippt. Jetzt hab ich schon so lange keine CD mehr angefasst, dass das Gefühl, die CD besitzen zu müssen auch weg ist.
    Und mein Hörvermögen nimmt sowieso nur noch ab, also alles im grünen Bereich😉

  13. Wo ich hier unter lauter Audiokennern bin: Was schlagt ihr denn vor, was ich meiner Mutter hinstellen soll, nachdem ihre Kompaktanlage mit CD-Player und Doppelkassettendeck den Geist aufgibt? Sie hängt natürlich an Kassetten, weil sie die fürs Gartenhaus aufnimmt – dort steht ein noch älterer Kassettenspieler, sicher 30 Jahre alt. Aber die Teile gehen einfach nicht kaputt.

    Ich dachte ja an einen Ipod samt zwei Abspielstationen. Dann ziehe ich ihre 20 CDs auf das Teil und gut ist. Oder kann sie damit nicht mehr umgehen mit 70+? Sie ist eigentlich recht fit.

  14. Obwohl mit einem recht guten Gehör gesegnet, muß ich sagen, dass für mich das Problem weniger im komprimieren von Musikdateien (also, MP3 Lame 320) als in der Kompression bei der Produktion der Scheiben losgeht. (siehe dazu weiter oben das Video!).

    Ihr kennt es sicherlich alle: dieses Ding wenn Du eine CD einschmeißt und die Mukke springt Dir förmlich in die Fresse, so dass Du erst einmal die Lautstärke runterregeln musst.
    Es gibt heutzutage kaum noch jemanden, der das nicht mehr so macht.

    Ein Gegenbeispiel habe ich hier besprochen:
    http://www.musikzirkus.eu/viewtopic.php?t=16032&highlight=gurumaniax

    Hier gibt ein Artikel zum Thema Kompression bzw. „Loudness War“:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,622597,00.html

  15. Also, jeder möge mit den Medien sein Glück finden, die er/sie für gut empfindet. Allerdings möchte ich einiges richtigstellen:
    ■ Die CD-Medien geben nicht nach 20 Jahren ihren Geist auf, wenn ,am nicht gewrade CD-Rohlinge der minderen Qualität benutzt. Industriell gefertigte (replizierte) CDs sind eigentlich nicht von einem Tod nach Jahren betroffen und wenn man einen vernünftigen CD-Player hat, läuft der auch ohne Reparatur fast ein Lebensbegleiter.
    Ich habe genügend CDs aus der Einführungsphase 1982/83 und die können ohne Probleme abgespielt werden.
    ■ Blu-ray schreibt man so und nicht anders, also nicht „Blu-Ray“! Und die BD ist eine Chance, nicht nur für den Bildteil excellente Qualität zu erreichen, sondern auch der tontechnische Teil – insbesondere bewi Konzertgigs – kann mehrkanalig mit bester Qualität wiedergegeben werden.
    ■ Ein Vergleich MP3 zur CD im Blindverfahren geht mit der richtigen Anlage immer pro CD aus. Wobei es bei der CD ja auch noch die SACD und die DVD-Audio gibt, die noch für das zusätzliche Quentchen bester Tonqualität sorgen.
    ■ MP3 hat seine Berechtigung im mobilen Bereich, weil man ja nicht Stapel von Scheiben mit sich herumführen kann und die Abspielgeräte „mobil“ bleiben sollen. Aber MP3 ist nicht alles…
    ■ Das haptische Gefühl eines Tonträgers wie die CD/DVD oder Blu-ray und ja, auch der Schallplatte ist ein wichtiger Punkt, der den Musikgenuss erhöht.

    MP3 als ergänzung ja, aber nicht als vollwertiger Ersatz!


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